V-Rally Championship Edition [GB/GBC]

  • Rallye-Motorsport für Unterwegs
    Nachdem das Rennspiel V-Rally Mitte 1997 exklusiv für die Playstation veröffentlicht wurde, folgten zwei Jahre später auch noch Portierungen für den N64 und PC. Die diesem Test zugrunde liegende Game Boy Classic-Version erschien sogar schon 1998. Diese unterscheidet sich aufgrund der limitierten Hardware des Game Boys freilich recht stark von den großen Konsolen-Brüdern. Sie wurde auch nicht vom Original-Entwickler Eden Studios programmiert, sondern von Velez & Dubail, welche ihr Können zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Game Boy-Titeln „Lucky Luke“ und „Die Schlümpfe im Alptraumland“ beweisen konnten. Da es sich um ein Rennspiel handelt, sucht man so etwas wie eine Handlung freilich vergeblich, weswegen wir uns direkt anschauen können, was das Spiel an sich taugt.



    Rennfahrten über Stock und Stein
    Anders als bei vielen anderen Motorsport-Arten, fährt man bei einer Rallye keine Rundfahrten im Kreis, sondern diverse Strecken-Etappen welche über den gesamten Globus verteilt sind. Diese führen auch nicht immer nur über Asphalt-Straßen, sondern zwingen die Wagen häufig über holprige Feld- und Waldwege oder sogar zugeschneite Pisten und dergleichen.
    V-Rally verfügt über einen Arcade- und einen Championship-Modus. Beide Spielmodi bieten jeweils ihre eigenen 10 Strecken (das Modul bietet also insgesamt 20 Etappen), die in 10 verschiedenen Ländern ausgetragen werden. In Italien ist man noch auf gemütlichen Asphalt-Straßen bei gutem Wetter unterwegs. In England muss man hingegen schon mit lästigen Aquaplaning zurechtkommen und spätestens auf den Schneepisten in Schweden ist dann Schluss mit lustig. Also ja, der Bodenbelag macht sich beim Handling des Fahrzeugs klar bemerkbar. Auf einer Schneepiste rutscht der Wagen wesentlich leichter aus der Kurve als auf einer regulären Straße. Die kinderleichte, einwandfreie Steuerung, sowie das allgemein unkompliziert gehaltene Handling der Fahrzeuge, hält den Anfänger-Frust jedoch stark in Grenzen.

    Egal welchen der Spielmodi man auswählt, V-Rally stellt leider nur vier Rally-Rennwagen zur Auswahl, welche freilich variierende Statistiken aufweisen. Die Statistiken umfassen dabei die vier Bereiche Beschleunigung, Geschwindigkeit, Bodenhaftung und Bremsen, die jeweils in vier Leistungsstufen untergliedert sind. Der Peugeot 306 Maxi ist ein guter Allrounder mit ausgewogenen Statistiken. Der Subaru Impreza mag zwar der schnellste Wagen sein, weist dafür jedoch in den anderen Statistiken schlechte Werte auf. Der Ford Escort ist da das genaue Gegenteil: Langsamste Geschwindigkeit aber dafür super Werte in allen anderen Bereichen. Zu guter Letzt wäre da noch der Mitsubishi Lancer, der zwar recht schnell ist, aber genau wie der andere japanische Wagen in den restlichen Statistiken sehr schlecht abschneidet.

    Im Endeffekt ist das eigene fahrerische Können jedoch wichtiger als die Wahl des Wagens. Wer gewinnen will, muss freilich die Kurven und Hindernisse der unterschiedlichen Strecken lernen, sowie geschickte Überholmanöver durchführen. Glücklicherweise erhält man hierbei Hilfestellungen vom Modul. Kurven und Hindernisse auf der Fahrbahn werden stets durch aufblinkende Warnschilder angekündigt. Hierdurch kann man sich angemessen vorbereiten, indem man rechtzeitig auf die Bremse tritt oder eben gezielt die Kurve nimmt. Puristen können die Warnschilder übrigens im Optionsmenü deaktivieren.
    Apropos Hindernisse: Hier reicht die Palette von lästigen Steinbrocken auf der Fahrbahn, rutschigen Öllachen und steilen Fahrstraßen, die man nicht mit zu hoher Geschwindigkeit hochfahren sollte, da sich der Wagen ansonsten nach der Landung überschlägt – genauso ergeht es euch übrigens, wenn ihr gegen ein Hindernis auf der Piste oder am Streckenrand reindonnert. Glücklicherweise zieht ein Unfall lediglich ein paar Sekunden Zeitverlust nach sich. Ein Zeitverlust, der jedoch oftmals die Erstplatzierung oder eben den rettenden Checkpoint kostet.

    Wie bereits gesagt, bietet das Modul zwei Spielmodi. Die 10 Strecken im Arcade-Modus sind in drei Schwierigkeitsstufen aufgegliedert (Leicht = 2 Strecken, Mittel = 3 Strecken, Schwer = 5 Strecken). Wer die höheren Grade spielen will, muss diese jedoch erst freischalten, indem man die niedrigeren Grade übersteht. Hat man das geschafft, bekommt man auch Passwörter, damit man diese später wieder freischalten darf. Das Modul bietet nämlich keinen Batteriespeicher. Das wirklich Besondere am Arcade-Modus ist hingegen, dass man hier weniger gegen die anderen Rennteilnehmer antritt (die jedoch dennoch vorhanden sind), sondern eher gegen ein Zeitlimit fährt. Scheitert man dabei den nächsten Checkpoint innerhalb der vorgegeben Zeit zu erreichen, verliert man eines der drei Credits und muss es nochmal versuchen. Sind alle Credits verloren heißt es freilich Game Over. Man kann sich jedoch neue Credits hinzuverdienen, indem man die Erstplatzierung einer Etappe erlangt. Aber wer so gut ist die Erstplatzierung einzusacken, benötigt die Credits ohnehin nicht.

    Im Championship-Modus braucht man sich wiederum keine Gedanken um Credits, Checkpoints und Game Overs zu machen. Hier werden einfach alle 10 Strecken hintereinander abgefahren, und je höher die eigene Platzierung nach dem Abschluss einer Etappe ausfällt, desto mehr Punkte gibt es als Belohnung. Wer nach der Rallye die meisten Punkte verdient hat, gewinnt. Man muss also nicht unbedingt jedes Rennen gewinnen, um der Gesamtsieger zu sein. Im Optionsmenü kann man auch den Schwierigkeitsgrad des Championship-Modus zwischen den drei Graden Leicht, Normal und Schwer einstellen. Das gewährleistet freilich eine gewisse Langzeitmotivation, denn auf Schwer wird es verdammt knifflig höhere Platzierungen in der Gesamtwertung zu erreichen.
    Ärgerlicherweise wird die Leistung des Spielers nicht belohnt. Selbst wenn man die Rallye mit Erstplatzierung gewinnt, passiert nichts Besonderes. Es gibt weder einen besonderen Glückwunsch-Screen noch freispielbare Wagen oder Strecken. Noch nicht einmal an den Bestzeiten darf man sich dauerhaft erfreuen, weil das Modul ja über keine Batterie verfügt. Dies ist dann auch der einzige Punkt, wo das ansonsten hervorragende Rennspiel enttäuscht. Aber vielleicht erwarte ich auch zu viel von einem Game Boy-Spiel. Gesellige Spieler werden obendrein auf Multiplayer-Optionen verzichten müssen.



    Grafik, Sound und weiteres:
    Ein großer Pluspunkt von V-Rally ist die schicke Grafik, welche sehr viel aus dem Game Boy herausholt. Die Rally-Wagen sind angenehm groß und detailliert modelliert und die Landschaften in denen die Rennen stattfinden bieten schöne, passende Hintergrundgrafiken, wie z.B. prächtige Gebirgsketten oder das Colosseum in Italien. Die Strecken selbst bieten durch zahlreiche Kurven und Steigen ein schönes Rennfahr-Gefühl. Das Geschwindigkeitsgefühl leidet jedoch etwas unter den starren Hintergrundgrafiken, deren Distanz sich nie verändert. Alles in allem aber dennoch eines der schönsten Game Boy-Spiele.

    Auch der Soundtrack kann überzeugen. Titelscreen, Optionsmenüs und Ranglisten werden mit flotten Melodien unterlegt, die sofort Lust auf die bevorstehenden Rallye-Rennfahrten wecken. Leider bieten die Streckenrennen selbst keinerlei Musik. Dort muss man sich hauptsächlich mit den Motoren- und Fahrgeräuschen des eigenen Wagens begnügen, was nach einer Weile sogar ziemlich auf den Geist gehen kann. Sehr schade, wenn man sich die hohe Qualität der enthaltenen Soundtracks vor Augen hält.

    V-Rally hat übrigens zwei Fortsetzungen nach sich gezogen. Während Teil 2 keine Game Boy-Umsetzung spendiert bekam, durfte man den dritten Teil dafür dann wieder auf dem Game Boy Advance erleben.



    Die GBC-Version
    1999 bekam V-Rally Championship Edition auch noch eine Portierung für den Game Boy Color. Abgesehen von der gelungenen Einfärbung des Spiels verdoppelt die GBC-Version den Streckenumfang. Jedes Land in beiden Spielmodi bieten jetzt nämlich zwei Etappen.
    Freilich bedeutet das auch, dass man nun mehr Zeit mitbringen muss, wenn man das Spiel durchspielen möchte. Die Kurzweiligkeit der regulären GB-Version geht also ein Stück weit verloren.
    Nichtsdestotrotz bleibt V-Rally ein klasse Spiel. Entscheidet selbst welche Version euch mehr zusagt. Ich kann beide Versionen wärmstens empfehlen.



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - sehr gute Grafik und Soundtrack
    - kinderleicht zu erlernende, einwandfreie Steuerung
    - macht einfach sehr viel Spaß!

    Neutral
    - 2 Spielmodi mit jeweils 10 Strecken (bzw. 20 Strecken in der GBC-Version), 4 Rennwagen, 3 Schwierigkeitsgrade
    - unkompliziertes Handling der Fahrzeuge (ist keine Simulation, sondern ein Arcade-Racer)

    Kontra:
    - gibt nichts freispielbares / Belohnungseffekt für gute Leistung fehlt
    - kein Soundtrack während der Rennfahrten
    - keine Multiplayer-Optionen



    Pflichtkauf für Game Boy-Rennfahrer
    Der Game Boy ist nicht zwangsläufig für seine Rennspiele bekannt, aber wenn es einen Racer gibt, den man für dieses System empfehlen kann, dann ist es zweifellos V-Rally. Die angenehme Steuerung, das unkomplizierte Fahrzeug-Handling und die gelungene audiovisuelle Präsentation sorgen für sehr viel Spielspaß. Dank der anwählbaren Schwierigkeitsgrade und zuschaltbarer Warnschilder ist der Titel auch für Einsteiger wunderbar geeignet. Wenn die Entwickler noch etwas am Umfang und Belohnungs-Faktor geschraubt hätten, dann hätte mir das Spiel sogar noch besser gefallen. Trotzdem ein lupenreiner Hit.



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 8,5-9
    Sound: 7
    Steuerung: 10
    Umfang: 7
    Story: -
    Spielspaß: 8,5
    Gesamtwertung: 8,5

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