• Brasilianischer Liebesbrief an Super Scaler-Racer
    Slipstream ist ein Arcade-Racer im „Super Scaler“-Stil. Ein Stil, welcher in den 80ern von Klassikern wie Out Run oder Hang-On etabliert wurde. Das Spiel stammt vom brasilianischen Indie-Entwickler Sandro Luiz de Paula bzw. Ansdor Games Ltda, und wurde ursprünglich am 21.05.2018 für PC-Systeme veröffentlicht. Über die Jahre hinweg erhielt der Racer Updates, Portierungen auf alle gängigen Konsolen-Systeme, sowie zwei kostenlose DLCs namens „Blue Hour“ (28.06.2023) und „Supernova“ (04.09.2024). Daran erkennt man, dass der Entwickler jede Menge Energie und Liebe investiert hat. Was Slipstream jedoch im Detail zu bieten hat, erfahrt ihr im folgendem Review.



    Die Kernoptionen und Eigenheiten
    Slipstream ist ein reiner Arcade-Racer. So etwas wie eine Story sucht man also vergebens. Stattdessen bekommt man eine ganze Wagenladung an Spieloptionen.
    Da hätten wir zunächst einmal den Einzelspieler-Modus, welcher sechs Spielvarianten bietet. Die da wären Grand Tour, Einzelrennen, Grand Prix, Cannonball, Zeitfahren und Battle Royale (im nächsten Testsegment werde ich näher auf die Spielvarianten eingehen).
    Freilich gibt es auch einen Mehrspieler-Modus. Hier können 2-4 Spieler im lokalen Splitscreen gegeneinander antreten. Der Mehrspieler umfasst die Spielvarianten Grand Prix, Einzelrennen, Cannonball und Battle Royale. Leider bietet Slipstream keinen Online-Multiplayer.

    Ehrensache, dass die besten Zeiten in einer Rekord-Tabelle festgehalten werden, welche auch eine Leaderboard-Funktion umfasst. Es gibt sogar einen Bereich wo die Achievement-Trophäen ausgestellt werden. Wer alle von denen einsacken will, kann übrigens mit einer Spielzeit von etwa 8 Stunden rechnen.
    Natürlich gibt es auch Optionen für Grafik, Audio, Steuerung und ein paar weitere Dinge. Wer also unbedingt Scanlines oder Verschwommenheits-Filter hinzuschalten will, keinen Bock auf die Textboxen der Rivalen-Fahrer hat oder einfach nur die Steuerung konfigurieren möchte, kann hier entsprechende Einstellungen vornehmen.

    Netterweise wird auch ein kurzes Tutorial angeboten, mit dem man sich mit den Spielmechaniken vertraut machen kann.
    Im Kern ist Slipstream ein sehr simpler und einfach zu handhabender Arcade-Racer im Retro-Stil. Man gibt Gas, drückt bei Bedarf auf die Bremse und lenkt nach links und rechts, um anderen Autos auszuweichen und die Kurven zu nehmen.
    Es gibt im Endeffekt drei Spielelemente, welche Slipstream von der Konkurrenz unterscheiden. Zunächst wäre da der Namen-gebende Slipstream (zu deutsch: Windschatten). Sobald man sich hinter einem anderen Auto positioniert, lädt sich der Slipstream-Balken auf. Ist dieser voll aufgeladen, erhält man einen nicht zu verachtenden Geschwindigkeitsboost, der bei einem Rennspiel freilich ordentlich weiterhilft. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass sich die Slipstream-Energie sehr schnell entleert, wenn man den Windschatten verlässt.

    Als nächstes wäre da noch die Drift-Mechanik. Driften ist wichtig, um Kurven ohne Geschwindigkeitsverlust zu nehmen. Leider ist das Driften in Slipstream sperriger zu handhaben, als in vergleichbaren Spielen. Um den Drift einzuleiten, muss man vom Gas gehen, kurz auf die Bremse drücken und dann wieder Gas geben, während man in die Kurve lenkt. Das klingt nicht nur umständlich, sondern ist es auch in der Praxis.
    Dessen ist sich wohl auch der Entwickler bewusst, weswegen er die Option anbietet zwischen manuellen und automatisierten Drifts zu wählen. Bei Letzteren aktiviert sich der Drift vollautomatisch, so dass man sich darum keine Gedanken mehr machen muss. Allerdings sind automatische Drifts nicht so effizient wie manuelle, da man bei manuellen Drifts mehr Geschwindigkeit aufbauen kann. Obendrein könnte es sein, dass das Game bei automatischen Drifts für manche Spieler zu simpel wird.

    Zu Guter Letzt wäre da noch die Rückspul-Funktion. In jeder Rennrunde bekommt man 5 Sekunden Rückspulzeit, die man bei Bedarf auch ungeniert einsetzen darf. Hierdurch lässt sich Zeitverlust durch Kollisionen und Crashs negieren. Die Handhabung dieser Funktion ist auch sehr bequem. Einfach nur den entsprechenden Button gedrückt halten und fertig.
    Jedenfalls gewinnt Slipstream durch diese Features genügend eigene Identität, um sich von anderen Super Scaler-Racern hervorzuheben.



    Die Spielvarianten
    Dann gehen wir mal so langsam auf die sechs Spielvarianten ein. Grundsätzlich erlaubt jede Variante die Auswahl aus den drei Schwierigkeitsgraden Leicht, Mittel und Schwer. Die Grade beeinflussen die Höchstgeschwindigkeit sowie die Beschleunigung aller Wagen. Auf Leicht haben die Autos eine langsamere Gesamtgeschwindigkeit, dafür jedoch eine erhöhte Beschleunigung. Auf Schwer ist es dann genau andersherum. Denkt bei der Auswahl daran, dass Achievements nur auf den höheren Graden freigeschaltet werden.

    Freilich ist auch die Auswahl des Autos sehr wichtig. Wer beide DLCs installiert hat (sind ja wie gesagt kostenlos), bekommt die Auswahl aus 10 Fahrzeugen (ohne DLCs sind es nur 5).
    Die Wagen unterscheiden sich in den drei selbsterklärenden Statistika Geschwindigkeit, Beschleunigung und Handling. Als Tipp möchte ich nur anmerken, dass Geschwindigkeit und Beschleunigung wesentlich wichtiger sind als Handling. Selbst Autos mit einem schlechten Handling sind leicht zu handhaben und lassen sich i.d.R. noch gut genug durch die Kurven bringen. Aber kommen wir nun endlich zu den Spielvarianten.

    Grand Tour: Dieser Modus ist im Geiste von Out Run gestaltet. Man muss innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits fünf Etappen überstehen, um zu gewinnen. Nach jeder Etappe darf man zwischen zwei Routen wählen, wodurch man 15 verschiedene Strecken in 16 verschiedenen Variationen befahren kann. Obendrein darf man die Strecken auch in ihrer Spiegel-Variante befahren, oder eine zufällige Streckenwahl anwählen.

    Dieser Modus beinhaltet auch die Rivalen. Im frühen Stadium der jeweiligen Strecke taucht ein zufällig ausgewählter Rivale auf, den man halt im Idealfall besiegen soll. Gelingt dies nicht, darf man trotzdem weiterfahren, da der Hauptgegner das Zeitlimit bleibt. Die Rivalen bringen jedoch etwas Pepp ins Spiel, da sie mit Textbox-Kommentaren um sich werfen und dem Spiel somit etwas mehr Persönlichkeit verleihen. Insgesamt gibt es 16 Rivalen deren Mugshots und Namen auch mal eine Anspielung auf Persönlichkeiten der Popkultur beinhalten.
    Abgesehen von den Rivalen gibt es auch reguläre Verkehrsteilnehmer. Diese können Cashs provozieren, dienen aber auch zum Tanken von Slipstream-Energie.

    Einzelrennen: Hier darf man jede der 27 Strecken (20 Strecken ohne DLCs) separat anwählen. Man darf die Anzahl der teilnehmenden Rennfahrer (2-24), Die Rundenanzahl (1-8), sowie die eigenen Startposition auswählen. Auch hier darf man die Strecken auf Wunsch „umgekehrt“ bzw. in ihrer Spiegel-Variante befahren.

    Grand Prix: Hier fährt man ein Wettrennen gegen 11 andere Rennfahrer. Dies ist ein reines Rennevent, Rivalen und Zivilverkehr gibt es also nicht. Es gibt fünf verschiedene Cups, sowie die Optionen einen Cup mit zufällig ausgewählten Strecken generieren zu lassen. In jedem Cup gilt es fünf Strecken mit jeweils vier Runden zu befahren. Je besser die Position bei der Zieleinfahrt, desto mehr Punkte werden gutgeschrieben. Allerdings bekommen nur die ersten sechs Positionen Punkte. Wer zum Schluss die meisten Punkte kassiert hat, gewinnt den Cup.
    Dieser Modus bietet obendrein die Option zwischen Standardautos und angepassten Autos auszuwählen. Wählt man letztere Option, kassiert man bei guten Platzierungen Preisgelder, mit denen man die drei Statistika des eigenen Autos verbessern darf.

    Cannonball: Dies ist der Modus, welcher dem Spieler die meisten Optionen gewährt. Man darf auswählen wie viele Etappen gefahren werden (1-30), welche Strecken genutzt werden sollen, ob Zivilverkehr vorhanden ist und wie dicht eben dieser ausfällt, wie viele Rennfahrer teilnehmen (2-12) und ob Rivalen mitmischen dürfen oder nicht.

    Zeitfahren: Ein reines Solo-Rennen bei dem es darum geht eigene Bestzeiten zu erstellen. Man darf alle 27 Strecken anwählen, muss diese jedoch grundsätzlich für 3 Runden befahren.

    Battle Royale: Dieser Modus rückt das Rivalen-System in den Fokus. Man darf zu Beginn auswählen, ob man gegen 4, 8, 12 oder alle 16 Rivalen antreten möchte. Der Teilnehmer, welcher nach einer Etappe der Letzte ist, fliegt automatisch raus. Es kann nur einen Gewinner geben! Die Strecken werden zufällig ausgewählt.



    Grafik und Sound
    Der Grafikstil von Slipstream orientiert sich, wie vieles andere im Spiel, am Klassiker Out Run. Der Boden wirkt wie eine 3D-Fläche, während die Autos sowie die Gebäude und Objekte am Streckenrand in 2D-Sprites gestaltet wurden. Natürlich wird das Ganze mit hübschen Hintergrundtapeten und variierenden Settings garniert. Ein interessanter Mix, der auch ein sehr gefälliges Geschwindigkeitsgefühl vermittelt. Obendrein geizt das Spiel keineswegs mit Farbe, ganz im Gegenteil. Slipstream ist eines der buntesten Spiele, die man in dem Genre zu sehen bekommt, was ich als sehr positiv empfinde.

    Der OST des US-Komponisten effoharkay ist ein psychedelisch angehauchter Mix aus Synthwave und Vaporwave. Die Tracks wirken zunächst etwas ungewohnt und auch unpassend für einen Arcade-Racer, aber nach einiger Zeit wird man die Musik wirklich wertschätzen und die insgesamt 18 Stücke als Bereicherung des Gesamtpakets betrachten.
    Die Soundeffekte in Form von Motor und quietschenden Reifen sind gelungen und leisten ihren Dienst. Eine Sprachausgabe gibt es leider nicht. Letztere wäre wohl zu viel verlangt, jedoch aufgrund der Rivalen-Mechanik ein nettes Zubrot gewesen. An der deutschen Textübersetzung gibt es dafür nichts auszusetzen.



    Pro und Kontra:

    Pro:
    - unkomplizierter Arcade-Racing-Spaß
    - gelungene audiovisuelle Präsentation mit kunterbunter Grafik und psychedelischer Synth- und Vaporwave-Mucke
    - großer Umfang dank zahlreicher Spielmodi und Achievements
    - bietet einige frische Ideen wie die Slipstream-Mechanik oder die Rückspul-Funktion

    Kontra:
    - die manuelle Drift-Mechanik ist zu unbequem, kann jedoch glücklicherweise automatisiert werden
    - kein Online-Multiplayer


    Eines der besten modernen Super Scaler-Rennspiele
    Slipstream ist definitiv eines der besten modernen Super Scaler-Rennspiele, welches angeboten wird. Saubere Steuerung, spaßige Rennfahrten, ein Überfluss an Optionen und die sympathische audiovisuelle Präsentation mit Synthwave- und Vaporwave-Einflüssen wecken vom Start weg große Sympathien für den Racer. Obendrein bietet das Spiel auch ein paar nette Ideen in Form der Namen gebenden Windschatten-Mechanik oder der Rückspul-Funktion.
    Einziger Wermutstropfen ist die ungewöhnlich sperrige Handhabung der Drifts. Da es jedoch auch die Option gibt die Drifts zu automatisieren, wird dieser potentielle Knackpunkt gleich wieder entschärft. Dennoch wäre es eleganter gewesen, wenn der Entwickler noch eine weitere, simplere Handhabung des Drifts angeboten hätte.
    Aber das ist Meckerei auf hohem Niveau. Freunde von Arcade-Racern im Retro-Stil können hier bedenkenlos zugreifen.



    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 8
    Sound: 8-8,5
    Steuerung: 8-8,5
    Umfang: 8,5
    Story: -
    Spielspaß: 8,5
    Gesamtwertung: 8,5

  • Keine Ahnung warum, aber mir kommt es vor, als ob du dieses Review schon vor längerer Zeit hier verfasst hättest :D


    Es könnte sein, dass du dich an wilos Thread zu Slipstream 5000 erinnerst.^^

    wilo
    March 3, 2013 at 3:52 PM

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