Reparatur ABS-Kunststoff per Kunststoffschweißen mit Aceton

  • Hallo zusammen! :)

    In diesem Thread soll es, wie der Titel schon sagt, um die Reparatur des Kunststoffes ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) per Kunststoffschweißen mit Aceton gehen. ;)

    Warum ist das hier relevant? :/ Weil das Gehäuse der SNES und der Controller eben aus genau diesem grauen ABS-Kunststoff bestehen. ;)

    Kunststoffschweißen klingt erst mal danach, als ob man mit Hitze arbeitet :huh:, aber gemeint ist damit, dass der Kunststoff geschmolzen wird, um diesen zu verbinden. Dies erfolgt mit dem Aceton vollkommen ohne Hitze. ABS-Kunststoff lässt sich nämlich mit dem Aceton auflösen. Schmeißt man ein Stück ABS in Aceton, verschwindet dieses, je nach Größe, binnen Sekunden oder Minuten und löst sich darin vollständig auf. 8)

    Aber hierbei ist wichtig zu wissen: Aceton reagiert nicht mit ABS, sondern dient lediglich als Lösungsmittel! Verflüchtigt sich das Aceton (und Aceton ist bei Raumtemperatur sehr flüchtig:!:), so bleibt das ABS wieder übrig. Diese Eigenschaft wird für das Verschweißen genutzt. 8)


    Kommen wir zu meinem aktuellen Fall:

    Ich habe einen SNES-Controller erhalten, dessen beide Schultertasten gebrochen sind. :|

    Noch dazu sind diese ziemlich schmutzig, daher erst einmal ordentlich mit Spüli und Schwamm reinigen und gut trocknen ;):


    Anschließend bereite ich die Materialien vor:

    Wichtig: Aceton ist nicht gerade hautfreundlich, da es die schützende Barriere der Haut entfernt und diese sofort trocken und spröde macht. :huh: Daher sollte man unbedingt mit Handschuhen arbeiten! :!:Außerdem ist Aceton in höheren Konzentrationen reizend für die Atemwege und kann bei extremer Exposition auch zu Benommenheit führen, daher muss man unbedingt drauf achten, dass genügend Lüftung vorhanden ist! :!:

    Man sollte möglichst eine Unterlage für die Arbeiten verwenden, da Aceton auch z.B. die Kunstharz-Versiegelung eines Tisches anlösen kann. :huh: In meinem Fall nehme ich lediglich große Papiertücher, da nur geringste Mengen von Aceton benötigt werden. :thumbup:

    Dazu ein Wattestäbchen, dessen eines Ende ich von der Watte befreie, um eine exakte Dosierung des Acetons vornehmen zu können. Ein getränktes Wattestäbchen mit Wolle würde in diesem Fall zu viel transportieren.


    Nun zur Reparatur:

    Ich tauche das wollefreie Ende des Stäbchens in das Aceton (Die Dose ist voll, daher kann ich das direkt machen, man kann aber stattdessen auch ein wenig Aceton in ein Glas schütten).

    Anschließend wird dieses an die Bruchstelle aufgetragen. Man muss relativ schnell sein, weil das Aceton eben sehr flüchtig ist und schnell vertrocknet. :S

    Es reicht hierbei, nur ein Ende der Bruchstelle zu bestreichen. Danach werden die Bruchstücke schlichtweg fest aneinander gedrückt.

    Durch das Aceton wird der Kunststoff an der Bruchstelle flüssig. Beim Aneinanderdrücken verschmilzt die Bruchstelle und härtet direkt nach dem Trocknen wieder aus. :thumbup:

    Es kann aber passieren, dass eine kleine Rille zwischen den Bruchstücken sichtbar bleibt.

    Hier kann man nochmals das Aceton auftragen, um diese zu glätten:


    Das Ergebnis:

    Die Bruchstücke sind miteinander verschweißt und haben nun quasi fast wieder den Ursprungszustand angenommen. Die Verbindung ist wesentlich stabiler, als wenn man sie z.B. mit üblichen Kleber zusammenkleben würde. :thumbup:


    Dieses Verfahren lässt sich natürlich auch auf andere Teile übertragen, wie z.B. einem gebrochenen Gehäuse der SNES. ;) Sollte ich eine solche Reparatur in der Zukunft angehen, so werde ich diese natürlich gerne ebenfalls hier einstellen, da es da ja auch um andere Dimensionen geht als bei Schultertasten. ^^

    Ansonsten ist der vorliegende Fall erst einmal abgeschlossen. :saint:

    Wer will, sucht Wege. Wer nicht will, sucht Gründe.

    Alle sagten "Das geht nicht!". Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht.

  • Kunststoffschweißen mit Aceton

    Was es nicht alles gibt!

    Danke für den interessanten Post!

    Gerne! ^^ Ist eben besonders für die SNES (und auch die meisten anderen Konsolen) relevant, weil diese eben aus ABS bestehen.

    Die Methode gilt allerdings nicht für jeden Kunststoff. :!: Andere Kunststoffarten reagieren unter Umständen komplett anders auf das Aceton. :/ Das reicht dann von völliger Neutralität/Unlöslichkeit, über Verspröden/Milchig-Werden durch Herauslösung bestimmter Komponenten (wie z.B. Weichmacher), bis hin zum Aufquillen und Verformen. :S

    Streng genommen kann es sogar bei gleichem Kunststoff zu abweichenden Verhaltensweisen im Kontakt mit Aceton kommen, abhängig von der spezifischen Mischung bzw. dem Verhältnis der Grundbestandteile und zugefügten Additiven. :huh:

    Bei NES, SNES, N64, PS1 und ähnlichen Konsolen aus diesem Zeitalter kann man jedoch grob auf die selbe Komposition aus ABS tippen, welche sich allesamt identisch verhalten sollten. ;)

    Ein weiterer Kunststoff, der sich z.B. genauso (bzw. sogar noch besser) in Aceton lösen lässt ist Styropor. :D


    Fun Fact am Rande:

    Auch LEGO-Steine bestehen aus ABS. ^^ Man kann ein LEGO-Steinchen in beliebiger Farbe nehmen und in ein Glas mit Aceton schmeißen, dann erhält man ein farbiges "ABS-Slurry", quasi eine zähflüssige Masse (je nach Verhältnis ABS zu Aceton), die wie ein Kunststoffkleber angewendet werden kann. ;)


    das ist interessant.

    Bis jetzt bei nicht so filigranen teilen habe ich Backpulver mit Sekundenkleber genutzt. Das ist aber weit dreckiger in der Optik mit ggf Schleifarbeit danach.

    Von einer Mischung Backpulver mit Sekundenkleber habe ich noch nie gehört. 8| Muss ich mal ausprobieren, klingt wie ein Lifehack. ^^


    Bei größeren Arbeiten, wie z.B. eben Gehäusereparaturen mit recht langen Bruchstellen oder sogar breiteren Spalten mit fehlendem Kunststoff, ist normalerweise die Anwendung von ABS-Slurry üblich. Wenn man den originalen Kunststoff haben will, braucht man quasi ein Bruchstück davon zum Auflösen, z.B. von kaputten Modulen oder unrettbaren Opfer-Gehäusen. ;) Man kann aber auch ABS-Rollen von 3D-Druckern verwenden oder sich eine Repro-Modulhülle dafür bestellen und einfach die benötigte Menge rausbrechen. :S Möglichkeiten gibts da viele. :)

    Aber wie du auch bei deiner Methode erwähnst Nordlicht05 , sind solche größeren Maßnahmen dann normalerweise mit anschließender Schleifarbeit verbunden, um die exakte Form und ggf. Oberflächenbeschaffenheit hinzubekommen. :thumbup:

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  • ja das wird dann, wie soll ich das beschreiben, zu Betonkleber. Kann man dann auch schleifen.

    Klingt jetzt nicht unbedingt nach etwas, was ich persönlich für die SNES verwenden würde. :huh: Aber das Rezept an sich ist interessant. Da gäbe es sicher so manch einen Fall, wo dieses zur Anwendung kommen könnte, wenn es sich grob so verhält, wie ich mir vorstelle. 8o Ich merke mir das auf jeden Fall mal vor. ;)

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    Alle sagten "Das geht nicht!". Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht.

  • ein wirklich sehr interessanter Beitrag, ich hatte ja vor Jahren ein arg zerbröseltes zweit-SNES von nem Händler bekommen (OK, gab anstandslos ne Ersatzlieferung und die war in Ordnung). So würde ich zumindest bisschen bis etwas Hoffnung sehen dass auch ohne komplett neues Gehäuse wieder in einen akzeptableren Zustand zu bringen.

    Das von oben klingt auch für einen nicht so handwerklich begabten machbar.

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