Hallo zusammen! ![]()
In diesem Thread geht es um eine Anleitung zur Lösung/Behebung eines relativ verbreiteten Problems bei den SNES/SFC Modulen, nämlich beschädigten Leiterbahnen. ![]()
Mein aktueller Kandidat ist ein Donkey Kong Country Modul:
Das Modul hat das Problem, dass es, trotz Reinigung der Pins mit Kontaktspray und mehrfachem Ein- und Ausstecken in die Konsole, schlichtweg nicht starten möchte
. Das Modul wird zwar erkannt, aber der Fernseher bleibt schwarz:
Um das eigentliche Problem zu finden, muss natürlich das Modul per Gamebit-Schrauber geöffnet werden:
Und man wird relativ schnell fündig bei Betrachten der Leiterbahnen, welche von den Pins zu den Chips führen.
Man erkennt etwas, das aussieht wie ein Kratzer, der über mehrere Leiterbahnen hinweg führt und diese dadurch freilegt.
Das erste Bild im Original, das zweite nochmal mit entsprechenden roten Markierungen, wo die Leiterbahnen beschädigt sind:
Manch einer mag sich an dieser Stelle fragen, wie es überhaupt zu solchen Beschädigungen kommt?
Die Erklärung hierfür ist eigentlich ganz simpel:
Der Grund dafür ist auf der Unterseite des Moduls zu erkennen. Die Platine wird durch die Plastikhülle eingeklemmt, um an Ort und Stelle gehalten und ausgerichtet zu werden. Doch zwischen den geklemmten Hälften gibt es nun mal einen kleinen Spalt, der ein gewisses Spiel für minimale Bewegungen zulässt. ![]()
Und genau hier liegt der Knackpunkt! Denn durch das Ein- und Ausstecken eines Moduls in die Konsole geraten alle Komponenten in Bewegung. Diese Bewegungen sind nur sehr gering, doch durch die Klemmwirkung der Hälften wirken diese nahezu wie Sägen, die sich, durch die Häufigkeit der Steckvorgänge, langsam in die Platine fressen. ![]()
Dadurch, dass diese Voraussetzungen bei absolut jedem Modul gegeben sind, ist natürlich auch kein Modul vor genau diesem Effekt gefreit.
Im Gegenteil: Je älter die Module werden und je mehr Steckvorgänge diese im Laufe ihrer Lebenszeit ansammeln, desto häufiger wird dieses Problem mit beschädigten Leiterbahnen auftreten. ![]()
Nun ist es so, dass, abhängig vom Grad der Beschädigung, es 2 verschiedene Möglichkeiten gibt Abhilfe zu schaffen, ohne neue Verbindungen löten zu müssen. (Anmerkung: Löten wäre an betroffener Stelle ohnehin nicht zu empfehlen, da es sich ja um den "Klemmbereich" handelt und das Lot durch seine Dicke nur stören würde.
)
Bei nur geringer Beschädigung kann man die offenen Stellen mittels einem reduzierenden Mittel (wie z.B. passendes Kontaktspay) von Oxidation befreien und im Anschluss mit einem frischen Schutzlack/Klarlack wieder versiegeln. Ein gutes Beispiel hierfür hatten wir vor nicht allzu langer Zeit erst hier im Forum
:
Batman & Robin | Kratzer auf der Platine | Spiel zeigt nur Startscreen *gelöst*
ich bin frisch hier und habe mich bereits vorgestellt
Ich habe ein Problem mit der Batman & Robin PAL | SNSP-ABTP-EUR Cartridge. Das Spiel möchte einfach nicht starten. Ab und zu kommt der Startscreen, danach schwarz. Hab PAL und NTSC über switchless Mod probiert.
Die Platine habe ich mit Iso gereinigt. Wenn man genau hinsieht, ist ein Kratzer an den Kontakten zu erkennen. (Bei 46)
Meint Ihr das ist das Problem? Wenn ja, kann man sowas reparieren?
VG,
DjJayDee
Dies wäre die 1. Möglichkeit.
Im Falle unseres hier gegebenen Donkey Kong Country Moduls jedoch, ist dieses Verfahren leider nicht mehr ausreichend bzw. nicht mehr möglich.
Die Beschädigung sitzt zu tief, sodass eine Behandlung mit Kontaktspay zwar die Oxidation entfernt, jedoch den Kontakt nicht zuverlässig wiederherstellt. ![]()
Somit ist die 2. Möglichkeit notwendig, eine Reparatur mit Leitsilber!
Dieses gibt es meist in praktischen Spritzen:
(Tipp: Das Leitsilber in der Spritze ist nicht ewig haltbar, weil es austrocknet und sich verfestigt. Man kann hier jedoch mit Spiritus oder Isopropylalkohol Abhilfe schaffen, wenn man hier 1-2 Tropfen in die Spritze aufnimmt, denn diese halten das Leitsilber feucht und geschmeidig.
)
Vor der Anwendung des Leitsilbers wird die betroffene Stelle aber trotzdem noch mit Kontaktspray und Wattestäbchen gereinigt, um störende Oxidationen zu entfernen:
Im Anschluss wird das Leitsilber möglichst dünn und fein an den Bruchstellen aufgetragen. Ich selbst habe hierfür nicht die Spritze direkt verwendet, sondern einen Zahnstocher, mit welchem ich immer einen minimalen Funken Leitsilber aufgenommen und vorsichtig aufgetragen habe. Auch sollte man hierbei unbedingt drauf achten, dass man keine Brücke zwischen 2 Leiterbahnen schafft.
Man braucht hierfür eine ruhige Hand, aber es ist machbar.
Das Ergebnis sieht dann so aus:
Ein ganz dünner, sehr dezenter, silberner Schimmer an den Bruchstellen. Viel mehr ist zur Schaffung einer sicheren Verbindung auch nicht notwendig. ![]()
Der Test in der Konsole zeigt:
Das Modul springt direkt beim 1. Versuch an. Perfekt. ![]()
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Nun habe ich das Modul trotzdem noch zur Seite gelegt, denn das Leitsilber muss noch (ca. 8h) vollständig trocknen und aushärten. Allerdings werde ich es nicht dabei belassen, denn das Leitsilber ist bei Weitem nicht so hart wie ein normaler Lack und würde sich, ohne weitere Behandlung, relativ schnell wieder abtragen.
Daher wird dieses später nochmal mit Klarlack versiegelt! Auch diesen finalen Schritt werde ich zu gegebener Zeit, der Vollständigkeit halber, noch hier aufführen und zeigen. ![]()
Ansonsten hoffe ich natürlich, dass dieser Leitfaden dem ein oder anderen Besitzer eines solchen Moduls mit dem gleichen Problem eine Hilfe sein wird. ![]()