Hallo zusammen!
Ich wollte euch mal an meinen aktuellen Arbeiten an einem SNES-Mainboard teilhaben lassen und gleichzeitig womöglich (falls es klappt!
) eine Anleitung für die "Lötbegeisterten" zur Verfügung stellen.
Die etwas unorthodoxe Methode die ich anwenden werde, habe ich bisher auch in der Form nirgends anders vorgefunden. (Vielleicht nicht ohne Grund?
)
Folgendes Szenario:
Ich tausche aktuell die Kondensatoren an einer 2/3-Chip SNES (SNSP-CPU-02) aus. Hierfür müssen die alten SMD-Kondensatoren entlötet werden.
Wer dies schon mal gemacht hat, weiß, dass dieser Vorgang, speziell wenn man kein Vollprofi ist, gar nicht so einfach ist, da man nur schwer an das Lot unter den "Podesten" kommt.
Jetzt ist es natürlich so, dass es mehrere Methoden zur Entfernung dieser gibt. Manche drehen sie mechanisch herunter, andere knipsen sie tatsächlich mit einem Seitenschneider weg, wieder andere verwenden gerne die Heißluftpistole etc. etc...
Ich persönlich verwende den Lötkolben und erwärme das Lot so gut es geht mit der Lötspitze von der Seite, während ich mit einer passenden Pinzette den Kondensator samt Podest ablöse. Hierbei muss ich meist mehrfach die Seite wechseln und hebel diesen dann so sanft es geht Stück für Stück hoch bis er sich komplett löst. ![]()
Wäre aber auch zu einfach, gäbe es da nicht auch hin und wieder Kandidaten, welche sich partout nicht lösen lassen wollen!
Und so ist es mir bei meinem aktuellen Fall passiert, dass ich das eine Lötpad des Kondensators C64 abgerissen habe...
(siehe roter Pfeil).
Ärgerlich, aber an sich kein Weltuntergang, da auch die Reparatur machbar ist. Die zuvor bestandene Verbindung des Lötpads muss vom grünen Platinenschutzlack befreit werden (feines Freikratzen), um das darunter liegende Kupfer freizulegen. Das freigelegte Kupfer nimmt das Lot genauso auf, wie das Lötpad zuvor.
ACHTUNG![]()
![]()
Das freigelegte Kupfer muss auch direkt im Anschluss mit Lot benetzt werden, da es ohne Schutzschicht ansonsten oxidiert und unbrauchbar wird. Also auf keinen Fall freikratzen und dann den Vorgang unterbrechen und das Mainboard z.B. 1-2 Wochen auf der Seite liegen lassen!
Im Bild ist dieser Vorgang bereits erledigt, siehe gelber Pfeil. ![]()
So weit, so gut. An diesem Punkt angekommen, reicht es, aus rein funktionaler Sicht, den neuen Kondensator direkt an diese neue Verbindung zu löten. Thema erledigt.
(Anmerkung: Hier endet die Anleitung, wie man die Reparatur eines abgerissenen Lötpads "gemäß Handbuch" durchführt. Alles Folgende ist von mir persönlich darüber hinaus gehend und auch so zu bewerten!
)
ABER: Optisch sieht das Ganze dann nicht mehr so aus wie ursprünglich.
Und das ist der Punkt, der mich hierbei stört! ![]()
Ich wollte mich hiermit nicht zufrieden geben und habe bereits mehrere Versuche unternommen, das Lötpad wieder an seinen ursprünglichen Platz zu kleben.
1. Versuch - Kraftkleber (an einer anderen Platine, nicht die aktuell gezeigte
): Das Pad lässt sich mit Kraftkleber durchaus auf die Platine aufkleben.
Das Problem zeigt sich allerdings dann, wenn man versucht wieder zu löten.
Der Kleber schmilzt, verbrennt und verpufft sekundenschnell und man steht wieder mit einem losen Pad da... ![]()
2. Versuch - Silberleitlack (bereits an dieser Platine
): Ich bin um Zuge von Recherchen über Platinen-Reparaturen auf Silberleitlack gestoßen, welcher in praktischen Spritzen verkauft wird und Verwendung darin findet, dass man quasi neue Leiterbahnen damit ziehen kann. "Geil!" dachte ich und schlussfolgerte, dass wenn dieser "Lack" ohnehin für den Einsatz auf Platinen konzipiert ist, dass man auch sicher einen Klecks unter das Pad platzieren kann und dieses halten sollte.
Dabei ist natürlich zu beachten, dass der Silberlack nirgends eine ungewollte Brücke schaffen soll, da dieser ja leitend ist! 24h Aushärten lassen und siehe da, es scheint tatsächlich fest zu sein!
Doch beim Löten wieder das gleiche Ergebnis - Der "Lack" (eigentlich ein Kleber mit leitenden Partikeln angereichert) schmilzt und verbrennt... ![]()
Nun bin ich ins Grübeln gekommen: Üblicher Kraftkleber hält so max. 100-120 °C aus. Silberleitlack hält je nach Art max. 120-150 °C aus. Ich löte aber mit ~ 300 °C ! ![]()
Also bin ich wieder auf die Suche gegangen. 2-Komponenten-Epoxid-Kleber wird an manchen Stellen empfohlen -> max. 180 °C, kurzzeitig bis zu 200 °C. Nicht übel, aber reicht nicht! ![]()
Tatsächlich fanden sich nach einiger Zeit auch Reparatur-Leitlacke für Platinen mit ca. 300-350 °C Temperaturbeständigkeit, welche jedoch so astronomisch teuer sind, dass man sich dafür auch einfach eine "neue" SNES kaufen könnte. ![]()
Nach gefühlt ewigem Suchen nach einer (bezahlbaren) Lösung kam mir dann eine Idee.
Was wäre, wenn ich etwas verwenden würde, das eigentlich überhaupt nicht für den Einsatz auf Platinen gedacht ist, jedoch die Anforderungen trotzdem erfüllen könnte? ![]()
Jetzt kommt der unorthodoxe Teil ![]()
.
Nun bin ich auf Thermolack gestoßen, welcher eigentlich für die Anwendung bei hitzebelasteten Teilen von Automobilen gedacht ist, z.B. dem Auspuff.
Bei nahezu allen Lacken stand jedoch drauf, dass dieser für die Anwendung auf metallischen Oberflächen gedacht ist und sonst nur schlecht oder gar nicht haftet.
Allerdings habe ich auch hier nicht so schnell aufgegeben und tatsächlich den Lack im Bild gefunden, welcher durch seine Beschreibung meine Aufmerksamkeit erregte (siehe gelbe Pfeile). ![]()
Bei einem Preis von ~ 10€ je Dose durchaus einen Versuch wert! ![]()
Und dieser sieht nun so aus - 3. Versuch:
- Das Equipment wird vorbereitet:
Das kleine Schälchen stammt von einer Medizinflasche (z.B. Hustensaft). Ein Wattestäbchen bei welchem ich an einem Ende die Watte entferne. Eine Pinzette und ein Haken. Optional einen Föhn.
- Ausführung:
Der Lack wird in das Schälchen gesprüht bis genug zum Tunken drin ist. 8 Minuten Trocknungszeit lt. Angabe auf der Dose sollte für den Vorgang ausreichen. Mit dem Ende des Wattestäbchens, auf welchem ich die Watte entfernt habe, tauche ich in den Lack und trage diesen vorsichtig auf die Stelle auf. Anschließend wird das Pad mit der Pinzette vorsichtig darauf platziert und zurechtgerückt.
Im Anschluss wird das Pad mit dem Haken ein wenig festgedrückt. Nicht zu viel Kraft, sonst bohrt man sich hinein und hebt im Anschluss das Pad wieder ab (ist mir passiert
). Alternativ kann man natürlich auch etwas anderes zum Andrücken verwenden, z.B. die Pinzette. ![]()
Hier kann man optional, wenn man nicht 8 Minuten bis zur Trocknung warten möchte, zur Beschleunigung des Ganzen einen Föhn draufhalten. Wenn der Lack trocken (Achtung! Nicht grifffest!) ist, kann man vorsichtig den Haken entfernen. Das Pad sollte sich nun von selbst an Ort und Stelle halten. Dennoch jegliche Berührung vermeiden um es nicht zu lösen, sonst muss man das ganze Prozedere nochmal wiederholen.
Im Anschluss das ganze wieder 24h vollständig trocknen und aushärten lassen. Theoretisch müsste der Lack noch bei 220°C ca. 30 Min ausgebacken werden, um die finale Härte zu erreichen und vollständig kratz- und abriebresistent zu werden. Doch ich denke, das ist im vorliegenden Anwendungsfall gar nicht notwendig, da die mechanische Belastung hier in der SNES nur eine untergeordnete Rolle spielt und die Temperaturbeständigkeit wesentlich wichtiger ist. Zudem wird laut dem Hersteller auch ohne Ausbacken bereits eine brauchbare Festigkeit erreicht.
Soweit zu meinem Versuch! ![]()
Morgen oder die kommenden Tage werde ich dann schlauer sein und sehen, ob es diesmal geklappt hat!
Ich werde über das Ergebnis natürlich berichten.
Teilt mir gerne eure Gedanken, Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema oder dem Versuch mit. Ich nehme alles gerne mit Interesse entgegen! ![]()