• Da bin ich mal so frei mein Review reinzuflanschen.^^

    Ein Shoot'em Up-Klassiker aus dem Vereinigten Königreich!?
    Auf Heimcomputern hat das vom angesehenen UK-Entwicklerstudio „The Bitmap Brothers“ kreierte „Xenon 2“ (bzw. Xenon 2: Megablast, um den vollen Titel zu nennen) einen sehr guten Ruf und gilt als eines der besten Spiele seines Genres. Ob das jedoch auch für die 1992 veröffentlichte Game Boy-Version zutrifft, welche vom eher unbekannten UK-Entwickler „Teeny Weeny Games“ umgesetzt wurde, steht freilich auf einem anderen Blatt. Xenon 2 hatte auf dem Game Boy ohnehin nicht den leichtesten Stand. Einerseits schaffte der Vorgänger „Xenon“ niemals den Sprung aus dem Heimcomputer-Sektor, weswegen die Serie für Konsolen- und Handheld-Spieler schlicht unbekannt war. Und andererseits gab es auf Nintendos kleinen grauen Spielgerät starke Konkurrenz in Form von Nemesis, R-Type und Solar Striker. Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, ob das UK-Shmup mit der harten Konkurrenz aus Japan mithalten kann.

    Die Handlung ist der übliche Quark, welcher keinerlei Relevanz oder Substanz aufzuweisen hat und noch nicht mal im Spiel präsentiert wird. Da gibts halt ne pöse Alienrasse namens Xeniten, die sich wohl im ersten Teil mit der Menschheit angelegt und auf die Fresse bekommen hat. Deren Anführer Montax sinnt nun auf Rache an dem Helden des ersten Teils und will dessen Errungenschaften tilgen, indem er Zeitbomben an bestimmten Stellen des Raum-Zeit-Gefüges platziert. Klar, dass der Held da noch ein Wörtchen mitzureden hat. Also rein in den Raumjäger und alles abballern was sich bewegt! Warum man hierfür jedoch solch ein konfuses Storykonstrukt kreieren musste, wissen wohl nur die Bitmap Brothers. Xenon 2 ist übrigens berüchtigt für eines der beschissendsten Endings in der Videospielgeschichte. Etwas, was ich hier leider bestätigen muss. Das „Ending“ wirkt wie ein virtueller Schlag ins Gesicht des Spielers, da haben halt mal wieder ein paar Engländer versucht witzig zu sein.:/


    Ich kauf mir ne fliegende Festung
    Bevor man ins Spiel einsteigt bekommt man erst mal ein paar Optionen vorgesetzt. Zunächst hat man die Auswahl aus einem 1 Player und einem 2 Player-Modus. Der 2 Player-Modus ist jedoch für den Popo, da es sich hierbei nicht um einen Coop-Modus handelt, sondern lediglich die jeweilige Stage noch mal für einen zweiten Spieler abgespult wird. Es geht hier also lediglich um einen Highscore-Vergleich, wofür man aber keinen Extra-Spielmodus bräuchte. Außerdem gehen die Highscores nach ausschalten des Game Boys ohnehin verloren, womit das sowieso eine komplett witzlose Angelegenheit ist. Wesentlich nützlicher ist da schon die Option den Soundtrack zu deaktivieren, doch dazu später mehr. Anschließend kann man noch aus den drei Schwierigkeitsgraden Easy, Normal und Hard auswählen. Der Schwierigkeitsgrad beeinflusst in erster Linie die Anzahl der Extraleben (5 auf Easy, 4 auf Normal und 3 auf Hard). Auch die Höhe des eingesteckten Schadens wird hiervon geringfügig beeinflusst. Da Xenon 2 keine Continues bietet, sind die Extraleben ein kostbares Gut und höhere Schwierigkeitsgrade dementsprechend anstrengender.

    Das Spiel an sich entpuppt sich als vertikal scrollendes Shoot'em Up mit kompetent umgesetzten Spielprinzip und angenehmer Steuerung. Freilich bietet Xenon 2 einige Besonderheiten, die es aus der breiten Masse hervorstechen lässt. Zu aller erst wäre da natürlich das komplexe Upgrade-System. Einige beseitigte Gegner hinterlassen sogenannte Credits, Geldeinheiten, die sich beim Händler gegen Power-Ups, zusätzliche Waffen, Extraleben, Autofeuer-Funktion und viele andere nette Sachen eintauschen lassen. Sicherlich erhält man einige Upgrades und Hilfsmittel auch aus Containern, die hier und da in den insgesamt fünf Stages aufkreuzen, jedoch stellt der Shop die klare Hauptbezugsquelle für die überlebenswichtigen Schiffsverbesserungen dar. Zugriff auf den Shop erhält man immer nachdem man den jeweiligen Zwischen- bzw. Endboss einer Stage bezwungen hat. Lediglich die erste Stage kommt ohne Zwischenboss aus, aber auch hier erhält man nach der ersten Levelhälfte Zugriff auf den Shop. Im Shop selbst bekommt man nun die Möglichkeit alte Ausrüstung zu verkaufen und Neue zu erwerben. Der Reiz hieran ist freilich den Nutzen der unterschiedlichen Angebote auszuloten und sein Schiff somit ideal auf den eigenen individuellen Spielstil anzupassen. Neben regulären Kanonen gibt es z.B. noch Laser und Raketengeschosse. Es gibt Erweiterungen mit denen man nach Hinten oder zur Seite schießen kann. Sogar Lebensenergie und einen temporären Unverwundbarkeitsschild kann man hier erwerben, sofern man über das notwendige Kleingeld verfügt. Das Sortiment ist umfangreich und der Spaß den ganzen Krempel auszuprobieren ist enorm. Und da unser Schiff mehrere verschiedene Waffensysteme auf einmal anmontieren kann, ist man irgendwann in einer regelrechten fliegenden Festung unterwegs und fühlt sich entsprechend mächtig.

    Das Gefühl der Macht wird auch durch die Spieler-freundlichen Regeln aufgebaut. Anders als bei der japanischen Konkurrenz, stirbt man in Xenon 2 nämlich nicht nach dem ersten Treffer, nein, stattdessen hält das Schiff sehr viel aus, weswegen das Spiel über weite Strecken sehr leicht wirkt. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man Xenon 2 jedoch nicht, denn die späteren Level und Bosse können auch einige Probleme bereiten und ordentlich austeilen. Außerdem gibt es keine Unverwundbarkeitsphase nach einem eingesteckten Treffer, weswegen der Energiebalken in unglücklichen Fällen auch mal sehr schnell in den Keller rutscht. Vorsicht ist obendrein geboten, denn die Gegner kommen nicht nur von oben, sondern ab und zu auch von unten. Wer Xenon 2 durchspielen möchte, muss sich also selbst auf niedrigster Schwierigkeitsstufe schon angemessen konzentrieren.
    Eine weitere ungewöhnliche Eigenart von Xenon 2, ist die Möglichkeit rückwärts zu fliegen und die jeweilige Stage somit sogar zurück zu scrollen. Dieses Manöver kann natürlich dazu genutzt werden einige heikle Situationen zu entschärfen. Und in Stage 3 ist diese Manöver sogar zwingend notwendig, um durch einen kleinen Irrgarten zu manövrieren. Das Spiel bietet also mehr als genügend Eigenständigkeit, um sich von der fernöstlichen Konkurrenz hervorzuheben. Das einzige was ich ernsthaft am Gameplay kritisieren kann, ist jedoch die dezent träge Spielgeschwindigkeit. Das Raumschiff zuckelt etwas arg gemächlich nach oben (und sogar noch langsamer nach unten), wodurch das Spiel etwas arg langsam anmutet und nicht ganz so flott und actionreich wirkt wie ein Solar Striker oder Nemesis. Wem das nicht stört, bekommt jedoch ein tolles Shmup geboten, welches aber leider im audiovisuellen Bereich versagt.


    Grafik, Sound und sonstiges
    Der größte Schwachpunkt von Xenon 2 ist die hässliche Grafik. So schick das Spiel auch auf Heimcomputern aussehen mag, so sehr schreckt die Game Boy-Version mit ihren groben Umgebungsgrafiken und hässlichen kleinen Gegner-Sprites ab. Auch das eigene Raumschiff ist in seinem Ursprungszustand sehr langweilig gestaltet. Lediglich die Bossgegner wirken ganz ordentlich, können aber auch nicht vollends vom Hocker reißen, da der allgemeine Grafikstil eben sehr eigenwillig und hässlich wirkt. Tatsächlich ist Xenon 2 das hässlichste Game Boy-Spiel, welches ich bis dato zu Gesicht bekommen habe. Das wäre vielleicht entschuldbar gewesen, wenn es einer der sehr frühen GB-Titel gewesen wäre, aber Xenon 2 kam nun einmal 1992 heraus. Und da gab es schon wesentlich hübschere Titel wie etwa Super Mario Land 2, welches etwa zeitgleich zu Xenon 2 erschien.
    Eine weitere Peinlichkeit ist die Beschränkung des Soundtracks auf einen einzigen(!) lausigen Track. Das gesamte Spiel über dudelt ein und dieselbe Melodie in einer Endlosschleife vor sich hin – selbst während der Bosskämpfe. Nur im Shop-Screen herrscht wohltuende Stille. Versteht mich nicht falsch, der eine enthaltene Track ist nicht schlecht und verbreitet durchaus seinen Charme, doch nützt das auch nichts, wenn man ihn das gesamte Spiel über erdulden muss. Die Entwickler werden sich schon was dabei gedacht haben, dass sie im Titelbildschirm die Option anbieten die Musik zu deaktivieren. Damit wäre dann wohl auch alles gesagt.


    Pro und Kontra:

    Pro:
    - originelles Upgrade-System via Geld und Shop
    - es gibt viele Möglichkeiten sein Schiff individuell aufzurüsten
    - einwandfreie Steuerung und grundsolider Spielablauf
    - verbreitet im späteren Spielverlauf ein gutes Gefühl von Macht und Feuerkraft
    - man kann die Stages sogar rückwärts zurück fliegen/scrollen

    Neutral:
    - ca. 40 Minuten Spielzeit, ist für das Genre absolut in Ordnung

    Kontra:
    - sehr hässlicher Grafikstil
    - enthält nur einen einzigen Soundtrack – peinlich
    - lahmer Pseudo 2-Spieler-Modus
    - wirre Hintergrundstory und eines der beschissendsten Endings der Videospielgeschichte


    Fazit: Nicht das beste Shmup für den Game Boy, aber für Genrefans dennoch empfehlenswert
    Schon allein dank des originellen und komplexen Upgrade-Systems verfügt Xenon 2 über genügend eigene Identität, um sich seinen Platz in der Game Boy-Shoot'em Up-Sammlung zu sichern. Unabhängig davon bietet das Modul grundsolide und unterhaltsame Genrekost, auch wenn die Spielgeschwindigkeit einen Tick zu langsam wirkt. Zu dumm, dass das Spiel unter einer miserablen audiovisuellen Präsentation leidet. Mit hübscherer Grafik und ein paar mehr Soundtracks, wäre sogar eine sehr gute Wertung drinnen gewesen. Im Vergleich dazu, kann man über kleinere Ausrutscher wie den gefakten 2 Player-Mode und das hundsmiserable Ending locker hinwegsehen. Unterm Strich ein gutes Spiel für echte Genrefans. Alle anderen halten sich aber erst mal an die japanische Konkurrenz in Form von Nemesis, R-Type und Co.


    Endwertung:

    Punktvergabe von 1 (schlecht) bis 10 (spitze)

    Grafik: 2,5
    Sound: 4
    Steuerung: 9
    Umfang: 8
    Story: 0,1
    Spielspaß: 7-7,5
    Gesamtwertung: 7,3

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!